Meilenstein für die Ladeinfrastruktur in der Hauptstadt
Die Shell-Tochter Ubitricity hat einen bedeutenden Schritt beim Aufbau öffentlicher Ladestrukturen in Berlin vollzogen. Mit der Inbetriebnahme des tausendsten Wechselstromladepunkts setzt das Unternehmen ein Zeichen für das Laden von Elektrofahrzeugen im urbanen Raum – insbesondere für jene Haushalte, die über keine eigene Garage oder festen Stellplatz verfügen. Gerade diese Gruppe ist bislang oft von der Anschaffung eines E-Autos abgeschreckt, weil die Lademöglichkeit in der eigenen Wohnumgebung fehlt.
Laternenladen als Schlüssel zur Akzeptanz
Besonders hervorzuheben ist der Ansatz, bestehende Infrastruktur zu nutzen. Ubitricity setzt auf Laternenladepunkte und kompakte AC-Säulen, die sich unauffällig in das Straßenbild einfügen. Diese Strategie senkt nicht nur die Hürden für den Umstieg auf Elektromobilität, sondern vermeidet auch aufwendige Tiefbauarbeiten für völlig neue Säulenstandorte. Bei der feierlichen Inbetriebnahme des tausendsten Punktes waren Vertreter aus Politik und Unternehmensführung anwesend, darunter Mobilitätsstaatssekretär Arne Herz sowie Ubitricity-Geschäftsführer Alexander Reinhardt.
Marktposition in Berlin gefestigt
Mit nunmehr 1000 Laternen- und AC-Ladepunkten im gesamten Stadtgebiet deckt Ubitricity rund ein Viertel der öffentlichen Berliner Ladeinfrastruktur ab. Das entspricht mehr als 25 Prozent der insgesamt etwa 4000 öffentlich zugänglichen Ladepunkte in der Hauptstadt. Damit liegt das Unternehmen hinter den Berliner Stadtwerken auf Platz zwei der größten Ladesäulenbetreiber. Parallel zu den Laternenladepunkten hat Ubitricity eigenen Angaben zufolge auch über 500 konventionelle AC-Ladesäulen mit 22 Kilowatt Leistung realisiert.
Europäische Perspektive
Über die Grenzen Berlins hinaus ist Ubitricity europaweit aktiv. Das Unternehmen betreibt mehr als 19.000 Ladepunkte in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland. Philipp Sindberg, Leiter von Ubitricity Deutschland, zeigte sich bei der Vorstellung des Berliner Meilensteins zufrieden: Sein Team sei stolz auf die Installation von über 1000 neuen Ladepunkten in der Stadt. Besonders das Laternenladen habe zum Erfolg beigetragen, da es ein dichtes und komfortables öffentliches Ladenetz ermögliche und die Mobilitätswende für Bewohner praktisch umsetzbar mache.
Kritische Einordnung
Trotz des Erfolgs bleibt die Frage nach der tatsächlichen Nutzerfreundlichkeit offen. Laternenladepunkte bieten meist nur geringe Ladeleistungen von 3,7 bis 11 Kilowatt – für eine nächtliche Ladung über mehrere Stunden durchaus ausreichend, aber wenig geeignet für schnelle Zwischenstopps. Zudem steht die Wartung und Verfügbarkeit dieser im öffentlichen Raum stark frequentierten Punkte noch nicht abschließend im Fokus der öffentlichen Diskussion. Ob die Installation von 1000 Punkten tatsächlich eine spürbare Entlastung für die vielen Berliner ohne eigenen Stellplatz bringt, wird sich erst mit einer detaillierten Auslastungsanalyse zeigen.
Foto: Shell Deutschland GmbH
