Ein Segment im Wandel
Im Jahr 1992 wagte Renault mit dem ersten Twingo etwas völlig Neues. Das fröhliche, farbenfrohe Stadtauto sprengte damals die Konventionen des A-Segments und wurde innerhalb kurzer Zeit zu einer automobile Ikone. Über vier Millionen Fahrzeuge verkaufte der französische Hersteller in 25 Ländern über mehrere Generationen hinweg. Doch während der Twingo einst für Aufbruchstimmung sorgte, schrumpfte das Marktsegment, in dem er zu Hause ist, auf lediglich fünf Prozent des europäischen Gesamtmarktes.
Dieser Rückgang ist jedoch nicht auf mangelndes Interesse der Kundschaft zurückzuführen. Die Nachfrage nach kompakten und bezahlbaren Fahrzeugen bleibt in ganz Europa hoch – sei es für das Leben in der Stadt oder als Zweitwagen. Vielmehr haben sich die meisten Automobilhersteller aus dem Segment zurückgezogen, weil sie die Balance zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Normerfüllung und modernen Kundenerwartungen nicht mehr herstellen konnten.
Renault geht hier einen anderen Weg. Der Hersteller sieht in dieser Lücke eine Wachstumschance und präsentiert mit dem Twingo E-Tech elektrisch ein Fahrzeug, das die Tradition der Baureihe aufgreift und für die Anforderungen der Gegenwart neu interpretiert.

Ein neuer Ansatz für die Elektromobilität
Der vollelektrische Twingo verfolgt drei zentrale Ziele, die zeigen, wie Renault die Herausforderungen der Elektromobilität angeht.
Elektroautos für breite Käuferschichten zugänglich machen
Die steigende Nachfrage nach bezahlbaren Elektrofahrzeugen in Europa hat Renault dazu bewogen, ein Stadtauto zu entwickeln, dessen Einstiegspreis unter 20.000 Euro liegt – ohne staatliche Förderungen. Um dies zu erreichen, musste der Konzern seine Konstruktions- und Produktionsmethoden grundlegend überdenken.
Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Wahl der Batterietechnologie. Der Twingo E-Tech elektrisch ist das erste Modell der Renault Group, das auf eine LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) setzt. Diese Technologie nutzt reichlich vorhandene Rohstoffe wie Eisen und Phosphat und reduziert damit die Abhängigkeit von kritischen Metallen. In Kombination mit der Cell-to-Pack-Architektur sinken die Batteriekosten um etwa 20 Prozent.
Hinzu kommt ein außergewöhnlich niedriger Energieverbrauch von 12,7 kWh pro 100 Kilometer. Durch detaillierte Studien zu Motoreffizienz und Aerodynamik konnte die Batterie in Größe und Gewicht begrenzt werden, was sich positiv auf die Betriebskosten auswirkt. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet liegt der CO2-Fußabdruck des Twingo E-Tech elektrisch um 60 Prozent unter dem eines vergleichbaren Verbrenner-Fahrzeugs.
Erstmals kommen in die Rohkarosserie zudem 38 Kilogramm europäischer CO2-armer Stahl zum Einsatz, der zu 75 Prozent aus kreislaufwirtschaftlichen Materialien besteht.

Entwicklungszeit auf zwei Jahre halbiert
In nur hundert Wochen wurde der Twingo E-Tech elektrisch entworfen und gebaut – doppelt so schnell wie frühere Elektromodelle von Renault. Ermöglicht wurde dies durch eine neuartige Organisationsstruktur, die europäisches Know-how mit chinesischer Innovationsgeschwindigkeit verbindet.
Das Design entstand im Technocentre in Frankreich auf Basis der RGEV Small Plattform, die speziell für Elektrofahrzeuge der A- und B-Segmente entwickelt wurde. Eine gestraffte Führungsstruktur beschleunigte die Entscheidungsfindung. Die zweite Phase übernahm ACDC, das Forschungs- und Entwicklungszentrum der Renault Group in Shanghai, wo rund 100 Ingenieure für Systemintegration und Projektmanagement verantwortlich zeichneten. In Frankreich blieben die Entwicklung von Plattform, Elektronik, Software und Assistenzsystemen.
Das Ergebnis dieser kollaborativen Arbeitsweise: Die Entwicklungszeit verkürzte sich um ein ganzes Jahr, die erforderlichen Investitionen halbierten sich.

Wettbewerbsfähige Produktion in Europa sichern
Gebaut wird der Twingo E-Tech elektrisch im slowenischen Werk Novo Mesto. Der Standort wurde umfassend modernisiert – mit neuen Linien für Spritzguss, Lackierung und Montage. Die Belegschaft durchlief intensive Schulungsprogramme in digitalem Know-how und Elektroauto-Technologien.
Besonders bemerkenswert ist die regionale Ausrichtung der Produktion: 75 Prozent der Kundschaft befindet sich innerhalb eines Radius von 1.000 Kilometern um das Werk. Viele Zulieferer sind in unmittelbarer Nähe angesiedelt, was Logistikkosten und CO2-Fußabdruck weiter reduziert.

Design mit Wiedererkennungswert
Der erste Twingo begeisterte mit verspielten Linien, einem fröhlichen Gesicht und charmantem Blick. Diese Merkmale wurden für den elektrischen Nachfolger aktualisiert und in zeitgemäße Formen übersetzt.
Die One-Box-Karosserie bleibt erhalten, präsentiert sich jedoch mit klareren Linien und modernen Elementen wie den LED-Scheinwerfern. Mit einer Länge von 3,79 Metern bleibt der Twingo kompakt, der Radstand wuchs auf 2,49 Meter. Die Räder wanderten in die vier Ecken der Karosserie und können bis zu 18 Zoll groß sein.
Die gewölbten Tagfahrleuchten verleihen dem Fahrzeug einen freundlichen, ausdrucksstarken Blick. Der Kühlergrill zeigt – in Anlehnung an die erste Generation – ein dezentes Lächeln. Im Seitenprofil fallen die hinteren Türen auf, die den Gesamtfluss der Karosserie nicht beeinträchtigen. Die hinteren Fenster behalten die charakteristische längliche Form vieler Twingo-Merkmale.
Sechs Farben stehen zur Wahl, darunter Absolut-Rot, Absolut-Grün und Mango-Gelb. Das Absolut-Grün ist eine exakte Kopie der Farbe, die für das 2023 vorgestellte Showcar entwickelt wurde.

Innenraum mit überraschendem Raumgefühl
Trotz der kompakten Außenmaße bietet der Twingo E-Tech elektrisch innen Platzverhältnisse, die eher an das nächsthöhere B-Segment erinnern. Die Fondpassagiere genießen bis zu 160 Millimeter Kniefreiheit bei einer Schulterbreite von 1.305 Millimetern. Das Kofferraumvolumen beträgt bis zu 360 Liter.
Das Geheimnis dieses großzügigen Raumangebots sind die verschiebbaren Rücksitze – eine Idee, die bereits die erste Twingo-Generation auszeichnete. Die beiden Rücksitze lassen sich unabhängig voneinander jeweils um 17 Zentimeter nach vorne und hinten verschieben, entweder vom Fond oder vom Kofferraum aus. Ihre Rückenlehnen sind in drei Positionen neigbar und lassen sich einzeln umklappen. Bei umgeklappten Rücksitzen wächst das Ladevolumen auf über 1.000 Liter. Klappt man zusätzlich die Rückenlehne des Beifahrersitzes um, entsteht eine Ladelänge von zwei Metern.
Unter dem Kofferraumboden verbirgt sich ein 50 Liter großes Staufach für das Ladekabel. Über den gesamten Innenraum verteilt finden sich mehr als ein Dutzend offene Staufächer mit einem Gesamtvolumen von bis zu 19 Litern.

Antrieb und Fahrleistungen für den Stadtalltag
Der Twingo E-Tech elektrisch wird von einem kompakten Elektromotor mit 60 kW (82 PS) angetrieben. In der Evolution-Version bringt das Fahrzeug 1.200 Kilogramm auf die Waage und beschleunigt von 0 auf 50 km/h in 3,85 Sekunden.
Die nutzbare Batteriekapazität liegt bei 27,5 kWh. Bei einem Verbrauch von 12,7 kWh pro 100 Kilometer erreicht der Twingo eine WLTP-Reichweite von bis zu 262 Kilometern. Für die potenzielle Kundschaft, die im Schnitt 35 Kilometer pro Tag zurücklegt, bedeutet dies ein bis zwei Ladevorgänge pro Woche.
Die LFP-Batterie ermöglicht dank der Cell-to-Pack-Technologie eine optimierte Energiedichte bei reduzierten Kosten. Ein AC-11-kW-Bordladegerät gehört zur Serienausstattung, an einer DC-Schnellladestation lädt die Batterie in 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Die V2L-Funktion (Vehicle-to-Load) erlaubt den Anschluss von 220-Volt-Geräten mit einer Leistung von bis zu 3.700 Watt.
Die One-Pedal-Funktion, die in der Techno-Ausstattung verfügbar ist, maximiert die regenerative Bremsleistung. Lässt der Fahrer das Fahrpedal los, verzögert das Fahrzeug – gegebenenfalls bis zum Stillstand – ohne Betätigung des Bremspedals.
Vernetzung und Fahrerassistenz
Das Cockpit wird von einem doppelten horizontalen OpenR-Bildschirm geprägt: ein 7-Zoll-Digital-Display im direkten Blickfeld des Fahrers und ein 10-Zoll-Multimedia-Bildschirm in der Mitte. In der Techno-Version kommt erstmals im A-Segment das OpenR link System mit integrierten Google-Diensten zum Einsatz.
Google Maps übernimmt die Routenplanung inklusive Ladestopps unter Berücksichtigung von Verfügbarkeit, Eigenschaften der Ladestationen und persönlichen Präferenzen. Der EV-Routenplaner bezieht Verbrauch, Reichweite, Außentemperatur und den gewünschten Ladestand bei Ankunft mit ein.
Über 100 Apps sind für den Twingo E-Tech elektrisch verfügbar – ein Rekord in diesem Segment. Drei Jahre lang erhalten Käufer ein kostenloses Datenpaket mit 2 GB pro Monat für die Nutzung der Apps.
Der virtuelle Assistent Reno, der bereits im Renault 5 E-Tech elektrisch und Renault 4 E-Tech elektrisch eingeführt wurde, ist auch im Twingo an Bord. Reno beantwortet Fragen zu Fahrzeugfunktionen und Ladevorgängen und nutzt für Allgemeinwissen die 4.0-mini-Version der KI-App ChatGPT.
24 Fahrerassistenzsysteme stehen zur Verfügung, darunter ein optionaler Easy-Park-Assistent – eine Premiere in diesem Segment. Der Ausstiegsassistent warnt beim Öffnen der Türen vor herannahenden Verkehrsteilnehmern. Der Safety Score analysiert das Fahrverhalten und bewertet es auf einer Skala von 0 bis 100, der Safety Coach gibt persönliche Tipps zur Verbesserung der Fahrsicherheit.
Zwei Ausstattungsvarianten mit klarem Profil
Der Twingo E-Tech elektrisch wird in zwei Ausstattungslinien angeboten.
Die Evolution-Version umfasst 16-Zoll-Stahlfelgen mit Radabdeckung, 7-Zoll-Fahrdisplay, 10-Zoll-Zentraldisplay mit Smartphone-Spiegelung, Tempomat, automatische Parkbremse, einzeln verschiebbare Rücksitze, manuelle Klimaanlage, Parksensoren hinten sowie 11-kW-AC- und 50-kW-DC-Ladegerät inklusive Mode-3-Ladekabel.
Die Techno-Version ergänzt das OpenR link System mit integrierten Google-Diensten, den Avatar Reno, adaptiven Tempopiloten mit Stop & Go, Klimaautomatik, One-Pedal-Funktion, umklappbaren Beifahrersitz, digitaler Rückfahrkamera und dem Arkamys-Audiosystem mit sechs Lautsprechern.
Praktische Details für den Alltag
Der Twingo E-Tech elektrisch wurde auf Alltagstauglichkeit ausgelegt. Der Wendekreis beträgt nur 9,87 Meter, was Wendemanöver und Parkplatzsuche erleichtert. Die Wartung beschränkt sich auf wenige Punkte: Bremsflüssigkeit alle drei Jahre, Kühlmittel alle sechs Jahre. Nur die Scheibenwaschflüssigkeit kann der Fahrer selbst nachfüllen – über eine der drei Zierlufteinlässe in der Motorhaube mit einem speziellen Werkzeug aus dem Reifenreparaturset.
Die My Renault App ermöglicht die Fernsteuerung des Ladevorgangs, die Vorkonditionierung des Innenraums und die Fahrzeugortung. Der Mobilize Charge Pass bietet Zugang zu einem der größten Ladenetzwerke Europas.
Die Sicherheitsausstattung umfasst sechs Airbags, wobei die Frontairbags adaptiv auslösen und ihre Kraft an die Körperform der Insassen anpassen. Die Fireman Access-Technologie flutet die Batterie im Brandfall schnell mit Wasser, der QR-Code QRescue liefert Rettungsdiensten wichtige Informationen.
Fotos: Renault Group
