Eigene Demontagezentren als strategischer Hebel

Der Automobilkonzern Stellantis treibt mit seiner Marke SUSTAINera die Kreislaufwirtschaft gezielt voran. Im Rahmen der sogenannten 4R-Strategie, die auf Remanufacturing, Repair, Reuse und Recycling setzt, wird nun das REUSE-Ökosystem weiter ausgebaut. Besonders im Management von Altfahrzeugen investiert das Unternehmen in eigene Zerlegekapazitäten. Konkrete Angaben zu neuen Standorten will Stellantis in Kürze bekannt geben. Bereits bestehende Demontagezentren in Turin und São Paulo sind seit 2024 beziehungsweise August 2025 in Betrieb. Mit weiteren Einrichtungen soll die Kontrolle über kritische Materialflüsse entlang der Wertschöpfungskette erhöht werden.

Funktionierende Teile erhalten Vorrang vor Neuteilen

In den firmeneigenen Zerlegewerken werden voll funktionsfähige Komponenten aus ausgemusterten Fahrzeugen gewonnen. Diese Teile kommen als originale Ersatzteile wieder zum Einsatz, was die Kreislaufambitionen des Konzerns unterstützt. Nicht mehr nutzbare Bestandteile wandern ins Recycling. Dadurch bleiben wertvolle Rohstoffe im geschlossenen Kreislauf und können für die Produktion neuer Bauteile oder Fahrzeuge genutzt werden. Ein konkretes Beispiel für diese Strategie ist der Aluminiumkreislauf, der über das italienische Demontagezentrum realisiert wurde. Die dort aus Altfahrzeugen ausgebauten Motoren werden an den Partner SOREMO geliefert, der daraus Aluminiumbarren für die Herstellung neuer Motoren gewinnt. Mit solchen Kooperationen will SUSTAINera die Automobilwertschöpfungskette nachhaltiger gestalten und den Verbrauch von Primärrohstoffen senken.

Quoten übertreffen europäische Vorgaben

Die Erfolge im Altfahrzeugmanagement lassen sich an Zahlen festmachen. Das Joint Venture Valorauto, an dem SUSTAINera beteiligt ist, erreichte im Jahr 2025 eine Recyclingquote von 89,9 Prozent und eine Verwertungsquote von 97,7 Prozent. Damit liegen die Werte über den europäischen Standards. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Zweitnutzung von Hochspannungsbatterien außerhalb des Automobilsektors. Als Beispiel dient ein Energiespeichersystem am Flughafen Rom-Fiumicino. Insgesamt stieg die Energiemenge aus Elektrofahrzeugbatterien, die für Second-Life-Anwendungen verkauft wurden, im Jahr 2025 auf 123.000 Kilowattstunden – mehr als das Vierfache im Vergleich zum Vorjahr.

Wachsender Markt für gebrauchte Originalteile

Der Ausbau der Demontagekapazitäten geht einher mit der Entwicklung des globalen Marktes für Automobilersatzteile. Vor allem der alternde Fahrzeugbestand, verlängerte Nutzungsdauern und der daraus resultierende Reparaturbedarf treiben die Nachfrage nach kostengünstigen Lösungen an. SUSTAINera setzt hier auf gebrauchte Originalteile. Laut Laurence Hansen, Senior Vice President Global Circular Economy bei Stellantis, sind diese Komponenten bis zu 70 Prozent günstiger als Neuteile, bieten aber dennoch Zuverlässigkeit, Qualität und vollständige Rückverfolgbarkeit. Ergänzt werden die eigenen Demontagezentren durch ein Netzwerk zertifizierter Zerlegebetriebe.

E-Commerce treibt Umsatzwachstum

Das Wiederverwendungsgeschäft von SUSTAINera legte im Jahr 2025 um 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Wesentlicher Treiber ist die Onlineplattform B-Parts, die in Europa und Nordamerika aktiv ist. Der Gesamtbestand umfasst dort mittlerweile über 15 Millionen Gebrauchtteile für verschiedene Marken und Modelle. Zugänglich sind diese Teile für Endkunden und Reparaturwerkstätten unter anderem über die Kataloge Service Box und E-PER. Auch der Verkauf gebrauchter Teile aus dem brasilianischen Demontagezentrum über digitale Kanäle wie Mercado Livre trägt zum Wachstum bei. Eine eigene Plattform ist dort angekündigt. Zudem eröffnete Stellantis kürzlich einen SUSTAINera-Shop auf eBay, der Teile aus Italien für ganz Europa anbietet. In China wurde über das Joint Venture Oruide eine neue Webplattform für wiederverwendete Teile gestartet.

Fortschritte bei Aufbereitung und Recycling

Neben der Wiederverarbeitung macht SUSTAINera auch in anderen Bereichen der 4R-Strategie Fortschritte. Der Anteil kreislauforientierter Produkte am gesamten Aftersales-Angebot von Stellantis Parts & Services liegt mittlerweile bei 27,4 Prozent. Im Bereich der Wiederaufbereitung wurde das Portfolio in Europa unter anderem um LED-Scheinwerfer, Multimediadisplays und Bremssättel erweitert. In Nordamerika kamen wiederaufbereitete Verstärker, Motoren und Getriebe hinzu. Im Circular Economy Hub in Italien wurden über 28.600 Motoren remanufacturiert – fast dreimal so viele wie 2024. Das Reparaturgeschäft wuchs um 48 Prozent, unterstützt durch Aktivitäten in Nordamerika und Südamerika. Weltweit gibt es nun 30 E-Reparaturzentren für Hochspannungsbatterien. Beim Recycling führte SUSTAINera unter anderem wiederaufbereitete 12-Volt-Batterien ein und erweiterte damit das Angebot an recycelten Produkten wie Schmiermitteln und Kühlflüssigkeiten. Diese Entwicklungen zeigen, dass der Konzern seine Kreislaufziele zügig umsetzt.

Foto: Stellantis NV

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