Senioren am Steuer: Besser als ihr Ruf

Senioren am Steuer haben einen zweifelhaften Ruf. Temperamentvolle Fahrer ärgern sich über ihre häufig defensive Fahrweise oder eher geringe Risikobereitschaft. Doch die angepasste Fahrweise kann auch vorbildlich sein.


„Viele Menschen fordern einen verpflichtenden Eignungstest für ältere PKW-Fahrer, weil sie deren Fahrweise für gefährlich halten“, erläutert Prof. Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht (DVW) und Bundesminister a.D. „Wer das verlangt, der müsste auch junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren ins Visier nehmen.“ Im Jahr 2013 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts 15,4 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden von jungen Pkw-Fahrern verursacht – gegenüber 10,1 Prozent von Pkw-Fahrern, die 65 Jahre oder älter waren. Zudem muss diese Altersgruppe differenziert betrachtet werden: Erst ab einem Alter von 75 Jahren nimmt die Fahrqualität statistisch gesehen ab. Prof. Bodewig: „Man kann ältere Autofahrer nicht pauschal beurteilen – genauso wie man das bei jungen Fahrern nicht machen sollte. Ob jemand als PKW-Fahrer geeignet ist, entscheidet sich nicht allein an seinem Alter. Die Deutsche Verkehrswacht empfiehlt daher regelmäßige Tests der Fahrtauglichkeit jenseits einer Alterszugehörigkeit, sprich für alle Fahrer.“

Selbstredend weisen ältere Menschen eher körperliche und geistige Defizite auf als jüngere – die Sehkraft und das Hörvermögen lassen nach, die Konzentration ist nicht mehr so hoch wie früher, Reaktionsfähigkeit und Beweglichkeit sinken. „Doch auch jüngere Menschen können durchaus Gesundheits- und Leistungsdefizite aufweisen, die eine sichere Verkehrsteilnahme beeinträchtigen“, betont Prof. Bodewig. Viele örtliche Verkehrswachten führen Verkehrssicherheitstage und persönliche Beratungen durch, an denen jeder teilnehmen kann. Meist steht dies in Verbindung mit Tests zum Reaktions-, Seh- oder Hörvermögen, deren Ergebnisse nicht an eine offizielle Stelle weitergeleitet werden, sondern aus denen jeder seine eigene Schlussfolgerung ziehen kann.

Die „jüngeren Senioren“ können manche individuelle Einschränkung durch jahrelange Fahrpraxis und einem besonnenen Fahrverhalten kompensieren. Häufig fahren ältere Menschen nur noch Strecken, die sie gut kennen und auch nur dann, wenn sie sich sicher fühlen. Prof. Bodewig: „Bei schlechtem Wetter oder Unwohlsein lassen sie ihr Auto lieber stehen. Das ist vorbildliches Verantwortungsbewusstsein, denn sie vermeiden damit Risiken und beugen einem möglichen Unfall vor.“

Quelle: Deutsche Verkehrswacht

[qrcode pix=120]

 

 

Schreibe einen Kommentar

*

code