Die Renault Group trauert um Louis Schweitzer, der im Alter von 83 Jahren verstorben ist. Schweitzer lenkte die Geschicke des Automobilkonzerns von 1992 bis 2005 als Vorstandsvorsitzender und blieb danach als Ehrenpräsident mit dem Unternehmen verbunden. Die Nachricht seines Todes löste im Unternehmen tiefe Betroffenheit aus.

Würdigung durch die heutige Konzernspitze

Jean-Dominique Senard, der heutige Aufsichtsratsvorsitzende der Renault Group, würdigte Schweitzer als visionären und mutigen Führer. Dessen Engagement und hohe Ansprüche hätten maßgeblich zur Modernisierung und Internationalisierung des Konzerns beigetragen. Besonders hervorgehoben werden die erfolgreichen Modellreihen Twingo und Mégane, die Übernahme von Dacia sowie die Schaffung der strategischen Allianz mit Nissan. Senard unterstrich zudem Schweitzers humanistische Unternehmensvision, die wirtschaftlichen Erfolg stets mit sozialer Verantwortung verband.

Auch der aktuelle CEO, François Provost, sprach seiner Trauer Ausdruck. Er bezeichnete Schweitzer als einen Mann mit Weitsicht und Entschlossenheit, unter dessen Führung die Renault Group bedeutende Transformationen durchlaufen habe. Das heutige Unternehmen trage deutlich die Handschrift von Schweitzers strategischer Vision. Provost übermittelte im Namen aller Mitarbeiter herzliches Beileid an die Familie und Angehörigen.

Stationen einer prägenden Karriere

Louis Schweitzer, geboren am 8. Juli 1942 in Genf, absolvierte sein Studium am Institut d’études politiques de Paris und an der École nationale d’administration. Nach seinem Abschluss im Jahr 1970 startete er seine Laufbahn als Finanzinspektor im französischen Staatsdienst. Eine Schlüsselrolle übernahm er von 1984 bis 1986 als Kabinettschef des damaligen Premierministers Laurent Fabius. Diese Erfahrung ebnete schließlich den Weg in die Industrie.

Im Jahr 1986 wechselte er zur Renault Group, zunächst als Finanzvorstand, später als stellvertretender Generaldirektor. Sein Aufstieg gipfelte 1992 in der Ernennung zum Vorstandsvorsitzenden als Nachfolger von Raymond Levy.

Das Vermächtnis: Privatisierung und globale Allianzen

Unter seiner Ägide vollzog der Konzern einen tiefgreifenden Wandel. Ein Meilenstein war die Privatisierung der Renault Group im Jahr 1996. Die vielleicht bedeutendste und weitsichtigste Entscheidung traf Schweitzer 1999 mit der Initiierung der strategischen Allianz zwischen Renault und Nissan. Diese Partnerschaft stellte einen weltweiten Wendepunkt für die gesamte Automobilindustrie dar.

Im gleichen Jahr trieb er die Übernahme der rumänischen Marke Dacia voran. Seine strategische Idee dabei war ebenso kühn wie klar: Die Entwicklung eines extrem kostengünstigen, dennoch zuverlässigen Fahrzeugs für aufstrebende Märkte. Dieses Konzept erwies sich als außerordentlich erfolgreich und prägt das Unternehmen bis heute.

Louis Schweitzer, Träger des Großkreuzes der Ehrenlegion, trat 2005 von seiner Position als Konzernchef zurück. Sein Wirken hat die Renault Group nachhaltig geprägt und auf den globalen Erfolgskurs gebracht, den das Unternehmen bis heute verfolgt.

Foto: Renault Group