Eine Kampagne gibt dem Unsichtbaren einen Namen

Die Hyundai Motor Company startet im April 2026 eine globale Initiative namens „Forests Without Names“. Der Zeitpunkt ist bewusst auf den sogenannten Earth Month abgestimmt. Im Kern geht es darum, jene Ökosysteme unter der Wasseroberfläche ins Bewusstsein zu rücken, die bisher kaum Beachtung finden: Meereswälder. Viele von ihnen tragen keinen offiziellen Namen – ein Umstand, der ihre Schutzbedürftigkeit zusätzlich verstärkt, denn was nicht benannt ist, wird selten geschützt.

Hyundai verspricht sich davon nicht nur mehr Aufmerksamkeit für diese Lebensräume, sondern auch eine konkrete Unterstützung eigener Meeresschutzprojekte. Dazu gehört etwa die Wiederherstellung von Algenwäldern vor der Küste von Ulsan in Südkorea sowie die Beseitigung von Meeresmüll in zehn verschiedenen Ländern.

Hyunchul Jeon, Leiter der Abteilung Future Business & Sustainability bei Hyundai Motor, erklärt dazu, das Unternehmen sehe sich dem Schutz von Wäldern an Land und im Meer gleichermaßen verpflichtet. Die Kampagne solle auf kreative Weise Neugier wecken für das, was lange unbeachtet blieb – und Menschen dazu inspirieren, sich für Dinge zu interessieren, die sie nun endlich benennen können.

Was genau sind Meereswälder und warum lohnt sich ein Blick unter Wasser

Unter Meereswäldern versteht man dichte Unterwasserökosysteme, die vor allem aus Algen wie Seetang oder Seegras bestehen. Ähnlich wie ihre Entsprechungen an Land bieten sie Lebensräume für zahlreiche Arten, filtern Schadstoffe aus dem Wasser und fördern die Artenvielfalt in Küstenregionen. Wissenschaftlich betrachtet übernehmen sie also wichtige ökologische Funktionen, die lange unterschätzt wurden.

Im Jahr 2025 hat das internationale Interesse an diesen Ökosystemen spürbar zugenommen. Auf der 63. Tagung des Weltklimarats IPCC in Lima wurde unter anderem diskutiert, wie Seegras künftig in die Kohlenstoffbilanzierung einbezogen werden könnte. Das zeigt: Meereswälder gelten nicht mehr nur als ökologische Nische, sondern rücken in den Fokus von Klimaforschung und Umweltpolitik.

Warum das Benennen allein nicht reicht, aber ein erster Schritt ist

Die zentrale Idee der Kampagne ist einfach: Viele Meereswälder haben keinen Namen – anders als bekannte Waldgebiete an Land. Diese Anonymität führt dazu, dass sie in Karten fehlen, in Schutzprogrammen übersehen werden und öffentlich kaum wahrnehmbar sind. Indem Hyundai diesen Ökosystemen Namen gibt, entsteht eine Identität, die rechtliche und gesellschaftliche Schutzmechanismen erst ermöglicht.

Die vergebenen Namen werden in eine sogenannte Sea Forest Map eingetragen. Hyundai plant, diese Karte in globale Plattformen wie Kakao Map in Korea zu integrieren. Die Öffentlichkeit wird über offene Abstimmungen direkt in den Benennungsprozess einbezogen. Das unterscheidet die Kampagne von reinen Sensibilisierungsmaßnahmen: Es geht nicht nur um Bewusstsein, sondern um Anerkennung, Dokumentation und langfristigen Schutz.

Drei Meereswälder, drei Namen – ein Modell mit Vorbildcharakter

Die Kampagne knüpft an frühere Umweltinitiativen des Konzerns an. 2025 hatte Hyundai bereits mit „Tree Correspondents“ für Aufmerksamkeit gesorgt – einer KI-gestützten Aktion, bei der Bäume eine symbolische Stimme erhielten. Nun wird der Fokus vom Land auf das Meer erweitert.

Konkret werden drei Meereswälder weltweit benannt. In Südkorea erhielt einer der wiederhergestellten Wälder vor Ulsan den Namen „Ullim“ – ein koreanisches Wort, das Resonanz oder Echo bedeutet. Die Namensgebung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Ministry of Oceans and Fisheries und der Korea Fisheries Resources Agency. In Argentinien entstand in Kooperation mit einer lokalen Meeresschutz-NGO und indigenen Gemeinschaften der Name „Auken Aiken“, was in der lokalen Sprache „Feld des Lebens“ heißt. Für einen Meereswald in Australien wird der endgültige Name über ein öffentliches Abstimmungsverfahren ermittelt, an dem sich lokale NGOs und Gemeindegruppen beteiligen.

Alle Standorte werden auf der Kampagnen-Website und auf Kartenplattformen registriert. Langfristig soll daraus ein globaler Sea Forest Data Hub entstehen – eine öffentlich zugängliche Datenbank mit verifizierten Informationen zu Standorten, Ökosystemmerkmalen und Renaturierungsmaßnahmen.

Der Zeitplan im April und was dahintersteckt

Zum Auftakt des Earth Month am 3. April 2026 veröffentlicht Hyundai ein Teaser-Video und schaltet die Kampagnen-Website frei. An diesem Tag werden auch die Namen für Korea und Argentinien bekannt gegeben, während die öffentliche Abstimmung für Australien startet. Am Earth Day, dem 22. April, folgt der Hauptkampagnenfilm sowie die Bekanntgabe des endgültigen Namens für den australischen Meereswald. Alle Namen werden anschließend in die Sea Forest Map aufgenommen.

Kritische Einordnung: Engagement oder Imagepflege

Die Namensgebungsinitiative ist kein isoliertes Projekt, sondern Teil einer langfristigen Umweltstrategie. Seit 2024 arbeitet Hyundai an der Wiederherstellung von Seetangwäldern in Ulsan – auf einer Fläche von knapp vier Quadratkilometern. Laut Unternehmensangaben soll das Projekt durch Kohlenstoffbindung und Ökosystemwiederherstellung jährlich etwa 1300 Tonnen CO₂ kompensieren. Zum Einsatz kommen Methoden wie die Verpflanzung von Meeresalgen, Sporenausbringung, künstliche Unterwasser-Langleinenanlagen und die Reinigung des Meeresbodens.

Seit 2021 sammelt Hyundai zudem in Partnerschaft mit der Healthy Seas Foundation Meeresabfälle in Europa, Korea und den USA. Bisher wurden rund 320 Tonnen Müll geborgen, darunter alte Fischernetze. Diese werden zu ECONYL-Nylonfasern recycelt und etwa in Fußmatten des europäischen Modells INSTER verwendet.

Ob diese Maßnahmen tatsächlich einen substanziellen ökologischen Beitrag leisten oder primär der Imagepflege dienen, lässt sich nicht abschließend beurteilen. Positiv hervorzuheben ist, dass Hyundai mit Regierungen, NGOs und lokalen Gemeinschaften zusammenarbeitet und auf wissenschaftliche Methoden setzt. Kritisch bleibt, dass ein Automobilkonzern, dessen Kerngeschäft nach wie vor mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden ist, sich hier als Schutzpatron der Meere inszeniert. Die tatsächliche ökologische Bilanz des Unternehmens müsste weit umfassender betrachtet werden, um die Glaubwürdigkeit solcher Initiativen einordnen zu können.

Foto: Hyundai Motor Deutschland GmbH

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert