Vor drei Jahrzehnten wagte Citroën etwas, das auf den ersten Blick wie ein kompromissbehaftetes Konzept wirkte: ein winziges Stadtauto mit sportlichem Anspruch. Der Saxo VTS, der 1994 seine ersten Schritte auf dem Markt machte, entpuppte sich jedoch als Volltreffer. Er war weit mehr als ein hübsch gemachter Kleinwagen. Vielmehr verkörperte er die Idee, dass Fahrspass nicht teuer sein muss. Günstig, zuverlässig und mit jenem direkten Go-Kart-Gefühl ausgestattet, das Enthusiasten bis heute suchen. Zum 30. Geburtstag blickt der Hersteller auf ein Modell zurück, das erschwingliche Motorisierung mit echtem Fahrvergnügen verband.

Citroën Saxo VTS

Von den Wurzeln des AX zum sportlichen Saxo

Die Geschichte des Saxo VTS beginnt nicht erst in den Neunzigern, sondern zehn Jahre früher beim Citroën AX. Der 1986 vorgestellte AX Sport und später der AX GTi zeigten, dass die Franzosen verstanden hatten, wie man kleine Autos mit präzisem Handling und einem guten Leistungsgewicht ausstattet. Als der Saxo im Februar 1996 den AX als Einstiegsmodell ablöste, blieb diese Philosophie erhalten. Zunächst kam der Saxo VTR mit einem 1,6-Liter-Achtventiler und 90 PS. Doch das eigentliche Highlight folgte wenig später: der Saxo VTS mit einem 1,6-Liter-Sechzehnventiler, der 120 PS leistete.

Das Gesamtdesign des Saxo stammte vom Italiener Donato Coco. Für die sportliche Variante zeichnete ein junger Designer namens Gilles Vidal verantwortlich – sein erster Auftrag für Citroën überhaupt. Vidal entwickelte 1996 das VTS-Karosseriepaket mit akribischer Präzision. Heraus kamen dezent verbreiterte Kotflügel, die elegant in die Schweller übergingen, sowie breitere Stoßfänger. Besonders an den hinteren Radläufen zeigt sich die durchdachte Linienführung, bei der die Verbreiterung vom Radhaus bis zum Türausschnitt verläuft und sich unauffällig unter die seitliche Schutzleiste schmiegt.

Leichtbau trifft auf spritzigen Motor

Auf den ersten Blick wirkt der Saxo VTS eher zurückhaltend. Ein 16V-Emblem an den hinteren Kotflügeln, eine verchromte Auspuffblende und spezielle Leichtmetallfelgen – mehr äußere Zeichen seiner Sportlichkeit gibt es nicht. Unter der Haube arbeitet jedoch der TU5J4-Motor, der bei 6600 Umdrehungen 120 PS abruft und bis 7300 Touren durchdreht. Dank eines Gewichts von nur 935 Kilogramm und einem kurz übersetzten Fünfganggetriebe erreicht der VTS eine Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h und absolviert den Standardsprint von null auf hundert in etwa acht Sekunden.

Das eigentliche Herzstück ist allerdings das Fahrwerk. Die Vorderachse arbeitet mit chirurgischer Präzision, die Servolenkung ist feinfühlig abgestimmt, und das Heck zeigt sich spielerisch, aber stets kontrollierbar. Auf kurvigen Landstraßen kann der kleine Citroën durchaus größeren und stärkeren Fahrzeugen Paroli bieten. Vorne verbauten die Ingenieure belüftete Scheibenbremsen – ein Detail, das den sportlichen Anspruch unterstreicht.

Citroën Saxo VTS

Modellpflege und der Weg zum Markenbotschafter

Ende 1997 überarbeitete Citroën die Modellreihe. Der Sechzehnventiler übernahm das bislang dem ZX vorbehaltene „16V“-Emblem. Gleichzeitig nutzte der Hersteller die Gelegenheit, die Bezeichnung VTS stärker zu vermarkten. Während die 120-PS-Version der heilige Gral blieb, kombinierten die Franzosen nun die sportliche Optik und das raffinierte Fahrwerk mit günstigeren Motoren. Käufer, denen es mehr um die Dynamik der Erscheinung als um reine Leistung ging, konnten den VTS nun mit 90-PS-, 100-PS- oder sogar 75-PS-Aggregaten bestellen.

1999 folgte ein umfangreicheres Facelift. Die Frontpartie erhielt mandelförmige Scheinwerfer, eine gewölbte Motorhaube und einen Kühlergrill mit großem Doppelwinkel. Der VTS wirkte moderner, ohne seinen Charakter zu verlieren. Gebaut wurde das Modell bis Juni 2003 im Werk Aulnay-sous-Bois, dann machte der C2 Platz. Nach sieben Jahren endete die Ära eines Kleinwagens, der seine Klasse stets größer dachte, als sie war.

Motorsport als Echtheitsbeweis

Kaum auf dem Markt, zog es den Saxo VTS in den Wettbewerb. Bei Rallyes, im Rallycross, auf der Rennstrecke oder auf Eis – das kleine Modell erwies sich als erstaunlich leistungsfähig, zugänglich und vielseitig. Citroën Sport baute ein ganzes Ökosystem um den Wagen auf: Saxo Cup, Saxo Challenge, Saxo Rallycross, Saxo Glace. Jede Serie mit eigenen Regeln, damit möglichst viele Fahrer in einem eigens dafür gebauten Fahrzeug erste Rennluft schnuppern konnten. Bemerkenswert war die Vorschrift, den Serienmotor einzusetzen – ein Beleg dafür, dass das Fahrwerk des VTS in einer eigenen Liga spielte.

Diese Rennserien dienten als Trainingslager für eine ganze Generation von Piloten. Namen wie Patrick Henry, Yoann Bonato, Marc Amourette und Pierre Llorach sammelten dort erste Erfahrungen, bevor sie ihre Karrieren fortsetzten. Der Saxo VTS war damit nicht nur ein Rennwagen, sondern auch eine echte Fahrschule für angehende Motorsportler. 2001 krönten sich Sébastien Loeb und Daniel Elena in einem Saxo Super 1600 zu Junioren-Weltmeistern – ein weiterer Beleg für das Potenzial des kleinen Franzosen.

Sammlerwert und bleibende Faszination

Heute, drei Jahrzehnte nach seiner Markteinführung, hat sich der Saxo VTS zu einem begehrten Sammlerobjekt entwickelt. Gut erhaltene Exemplare werden zunehmend seltener. Liebhaber reisen quer durch Europa, um einen gepflegten Wagen zu ergattern. In den Teilnehmerlisten regionaler Rallyes taucht der Name Saxo VTS immer wieder auf – ein Zeichen für seine außergewöhnliche Langlebigkeit im Motorsport.

Citroën würdigt mit dem 30-jährigen Jubiläum ein Modell, das den Geist der Marke auf seine eigene Art verkörpert: kreativ, zugänglich und erstaunlich effizient. Die Geschichte des Saxo VTS ist die eines Kleinwagens, der nie klein dachte – und der bis heute beweist, dass Fahrspaß keine Frage des Preises sein muss.

Fotos: Stellantis Germany GmbH

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