China als treibende Kraft der globalen Autoindustrie
Der chinesische Automarkt bleibt der wichtigste Wachstumsmotor weltweit. Bosch Mobility hat sich dort als führender Technologiepartner etabliert. Im vergangenen Geschäftsjahr steigerte die Mobilitätssparte ihren Umsatz in China um rund fünf Prozent auf 122,3 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 15,1 Milliarden Euro. Besonders bemerkenswert: Mehr als die Hälfte dieser Erlöse stammt von einheimischen Fahrzeugherstellern. Das unterstreicht die starke Position des Unternehmens in einem Markt, der von Innovationen angetrieben wird. Mit 34,5 Millionen produzierten Pkw und schweren Nutzfahrzeugen im Jahr 2025 entfiel mehr als ein Drittel der weltweiten Fahrzeugfertigung auf China.
Neue Ausweichfunktion erhöht Sicherheit
Ein konkretes Beispiel für die Innovationskraft ist die automatische Ausweichfunktion namens „Autonomous Emergency Steering“. Entwickelt wurde sie gemeinsam mit einem chinesischen Autohersteller – und das in nur sechs Monaten bis zur Serienreife. Die Funktion verknüpft Fahrerassistenz mit Fahrzeugsteuerung, um die Sicherheit spürbar zu verbessern. Wenn ein Hindernis plötzlich auftaucht, etwa ein ausscherendes Auto oder ein Fußgänger, und der Bremsweg nicht mehr ausreicht, greift das System ein. Es koordiniert Bremse, Lenkung und Antrieb so präzise, dass das Fahrzeug sicher ausweichen kann, ohne instabil zu werden – selbst auf winterlichen Straßen.
Der Schritt von Level 2 zu Level 3
Besonders stark wächst Bosch in China bei Elektroantrieben, Fahrzeugcomputern, Bremssystemen, Halbleitern und Assistenzsystemen. Im vergangenen Jahr waren dort etwa zwei Drittel aller neu verkauften Pkw mit Level-2-Systemen ausgestattet. Laut Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender von Bosch Mobility, zählt das Unternehmen zu den führenden Anbietern in diesem dynamischen Markt.
Der Trend geht jedoch klar zu höheren Automatisierungsstufen. Immer mehr Hersteller fragen Level-3-Funktionen nach, und die chinesische Gesetzgebung für Privatfahrzeuge steht kurz vor dem Abschluss. Bosch Mobility hat im März 2026 die Lizenz erhalten, in Wuxi Fahrzeuge mit Level-3-Funktionen im realen Verkehr zu testen. Die weiterentwickelte ADAS-Lösung kommt bereits im Chery Exeed ES zum Einsatz und sammelt dort Testsiege. Bei Level 2 muss der Fahrer den Verkehr noch aufmerksam beobachten. Ab Level 3 geht die Verantwortung in bestimmten Situationen auf das Fahrzeug über. Der Fahrer darf dann die Hände vom Lenkrad nehmen und den Blick von der Straße lösen. Auf Autobahnen und Schnellstraßen chinesischer Städte kann er sich zurücklehnen – das System fährt bis zu 120 km/h, funktioniert bei Sichtweiten ab 300 Metern und wechselt selbstständig die Spur. Möglich wird dies durch Fortschritte bei künstlicher Intelligenz, die frühere regelbasierte Ansätze deutlich übertrifft.
Stärken in Software und Hardware
Bosch kann beim automatisierten Fahren seine breite Aufstellung ausspielen. Das Unternehmen verfügt über Know-how in allen Kernbereichen: Antrieb, Lenkung, Bremse, Sensorik, Hochleistungsrechner, Bordelektronik, Software und KI. Hersteller erhalten sowohl Hardware wie den leistungsstarken Radar der siebten Generation als auch die passenden Algorithmen. Hinzu kommen weltweite Präsenz, Skalenvorteile und hohe Sicherheitsstandards. Wie Heyn betont, lassen sich Erkenntnisse aus einem Markt in andere übertragen. Ein Level-3-System, das den Fahrer längere Zeit entlastet, ist auch für die USA mit ihren breiten Autobahnen oder für Europa attraktiv. Bosch-Chef Hartung ergänzt, dass die Fähigkeit, Angebote und Lieferketten regional anzupassen und gleichzeitig Weltniveau zu liefern, einen klaren Wettbewerbsvorteil darstellt.
By-Wire-Technologien als Schlüssel
Für softwaredefinierte Fahrzeuge sind By-Wire-Systeme für Bremse und Lenkung entscheidend. Hier übermitteln Signalleitungen den Fahrerbefehl. Bosch bietet eine hydraulische Brake-by-Wire-Lösung mit zwei unabhängigen Bremsgeräten: einem neu entwickelten Bremsaktuator und einem traditionellen ESP®-System. Dieses Produkt sei für alle wichtigen Regionen attraktiv, so Heyn, da es auf bewährten und kosteneffizienten Komponenten beruht und sich leicht integrieren lässt. Fünf Hersteller haben bereits Lieferverträge abgeschlossen. Die Serienproduktion für Pkw soll Mitte 2026 anlaufen, für Robotaxi-Plattformen voraussichtlich 2027. Zusätzlich gibt es ein rein elektromechanisches System.
Auch bei der Lenkung setzt Bosch auf By-Wire. Der Fahrer spürt keinen Unterschied zu mechanischen Systemen, profitiert aber von neuen Funktionen wie einer unendlichen Bandbreite an Lenkübersetzungen – vom komfortablen Einparken bis zur sportlichen Rennstrecken-Abstimmung. Bei der jüngsten Wintererprobung in Schweden konnten Hersteller das direkte Ansprechverhalten und die feinfühlige Rückmeldung der neuen Lenkung erleben. Für den chinesischen Markt hat Bosch bereits mehrere lokale Hersteller gewonnen und wird das System in diesem Jahr in verschiedenen Plattformen in Serie bringen.
48-Volt-Technologie und elektrisches Fahren
Mit seinem 48-Volt-Niederspannungsbordnetz ist Bosch ebenfalls vorne mit dabei. Es deckt den steigenden Energiebedarf moderner Technik, erfüllt hohe Sicherheitsanforderungen und optimiert gleichzeitig Gewicht und Kosten. Auf der Auto China 2026 wollen Bosch und Chery eine strategische Entwicklungskooperation für ein 48-Volt-Bordnetz ankündigen.
Im Bereich des elektrifizierten Fahrens hat Bosch bereits über 25 Millionen Komponenten produziert. Allein 2026 werden weltweit mehr als sieben Millionen Komponenten und Systeme für Elektro- und Hybridfahrzeuge geliefert. In China beliefert Bosch über 30 Automobilhersteller. Die Effizienz der E-Motoren verbessert sich stetig: Die Ingenieure konnten die Verluste um bis zu 30 Prozent senken – durch Fortschritte bei Elektroblechen, Wicklung und vor allem Kühlung. Für kleine Elektroautos kommen Statorwicklungen aus Aluminium statt Kupfer zum Einsatz, was Kosten und Gewicht reduziert. Bei Sportwagen lässt sich die Leistungsdichte um 50 Prozent auf bis zu 16 kW/kg steigern.
Bereits 2025 stellte Bosch eine eAchse mit Magnesium-Legierung vor, deren Gehäuse rund ein Fünftel leichter ist. Der Trend zu höheren Integrationslösungen zielt darauf ab, Platz, Gewicht und Kosten zu optimieren. Bosch bietet modulare Systemlösungen an, darunter eine 6-in-1 eAchse, die Elektromotor, Getriebe, Inverter, Onboard-Ladegerät, DC/DC-Wandler und Power Distribution Unit vereint. Sie geht in diesem Jahr mit chinesischen Kunden in Serie.
Foto: Beispielbild
