Ein Skateboard-Pionier und sein französischer Klassiker
Manche Fahrzeuge begleiten Menschen über Jahrzehnte. Bei Titus Dittmann, einer der bekanntesten Figuren der deutschen Skateboard-Szene, ist das ein Citroën HY. Der Transporter aus dem Jahr 1978, den er einst selbst aus Belgien importierte, markiert den Anfang einer ungewöhnlichen Unternehmensgeschichte. Aus einem einzelnen Fahrzeug entstand TITUS, ein Unternehmen, das die Skateboard-Kultur in Deutschland nachhaltig mitgeprägt hat. Der HY war dabei mehr als ein Transportmittel. Er diente als rollendes Büro, als Lager, als Symbol für einen Lebensentwurf, der sich nicht an Konventionen orientierte.
Heute ist Dittmann offizieller Markenbotschafter von Citroën. Und er hat sich einen Wunsch erfüllt, der auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint: einen elektrischen Nachfolger seines geliebten HY. Allerdings nicht in Originalgröße, sondern im Miniaturformat. Basis ist der Citroën Ami, ein kompaktes Elektrofahrzeug, das eigentlich für den urbanen Alltag entwickelt wurde. Gemeinsam mit Citroën Deutschland entstand daraus der sogenannte Type Ami.

Caselani macht aus dem Ami einen kleinen HY
Möglich wird dieser Umbau durch einen Retrofit-Kit des italienischen Karosseriespezialisten Caselani. Das Unternehmen aus Norditalien hat sich auf Umbauten spezialisiert, die modernen Fahrzeugen die Formensprache historischer Modelle verleihen. Beim Type Ami bedeutet das: Wellblechoptik, runde Scheinwerfer und zahlreiche Details, die an den legendären HY erinnern. Der HY wurde zwischen 1947 und 1981 produziert und zählt zu den bekanntesten Nutzfahrzeugen der französischen Automobilgeschichte. Seine unverwechselbare Karosserie machte ihn zum Symbol für Handwerker, Händler und mobile Unternehmer.
Der Umbau erfolgt über speziell entwickelte Fiberglas-Elemente. Diese lassen sich auf neue und bereits vorhandene Ami-Modelle montieren. Technisch bleibt der Ami unverändert. Der vollelektrische Antrieb bietet über 70 Kilometer Reichweite nach WMTC. Für Stadtfahrten ist das ausreichend. Für längere Strecken eher nicht. Der Ami ist ohnehin kein Fahrzeug für die weite Reise. Er ist ein Stadtfahrzeug, kompakt, wendig, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Bereits ab 15 Jahren ist er mit der Führerscheinklasse AM fahrbar. In vielen europäischen Städten hat er sich als unkomplizierter Begleiter etabliert.

Eine persönliche Hommage mit individuellem Charakter
Dittmann begnügte sich nicht mit einem serienmäßigen Caselani-Umbau. Sein Type Ami orientiert sich direkt an seinem eigenen HY aus dem Jahr 1978. Das Fahrzeug erhielt eine rot-beige Lackierung, die dem historischen Vorbild nachempfunden ist. Zusätzliche Titus-Schriftzüge an der B-Säule schaffen einen persönlichen Bezug. Im Innenraum wurden speziell angepasste Sitzbezüge und ein individuell gestalteter Lenkradbezug verbaut. So entstand der Type Ami Titus Edition, ein Unikat, das die Geschichte des Unternehmers und die Geschichte des Fahrzeugs miteinander verbindet.
Dittmann selbst beschreibt den HY als mehr als ein Fahrzeug. Mit ihm habe seine Familien-, Skateboard-, Lehrer- und Unternehmer-Reise begonnen. Als er die an den HY angelehnte Caselani-Variante des Ami sah, sei ihm sofort klar gewesen, dass er diesen Baby-HY für seine Stadtfahrten haben müsse. Klein, sympathisch, voller Erinnerung, Emotion und Charakter. So beschreibt er das Ergebnis.

Retro trifft Elektromobilität
Der Type Ami ist ein Beispiel für eine Entwicklung, die sich in der Automobilbranche seit einigen Jahren beobachten lässt: die Verbindung von historischem Design mit moderner Antriebstechnik. Citroën selbst hat mit dem Ami ein Fahrzeug geschaffen, das bewusst reduziert ist. Kein Schnickschnack, keine überflüssige Technik. Einfach ein kleines Elektrofahrzeug für die Stadt. Der Retrofit-Kit von Caselani fügt dem eine emotionale Ebene hinzu. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Mobilität, sondern um Geschichte, um Erinnerung, um Identifikation.
Das ist kein neues Phänomen. Schon in den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder Versuche, automobile Ikonen in die Gegenwart zu übertragen. Mal gelang das überzeugend, mal wirkte es wie ein schlecht gemachter Abklatsch. Beim Type Ami stellt sich die Frage, ob ein Fahrzeug wie der Ami, der bewusst als reduzierter Stadtflitzer konzipiert wurde, durch die Retro-Hülle nicht eher an Leichtigkeit verliert. Immerhin wiegt der Ami ohnehin schon wenig, und die Fiberglas-Elemente dürften das Gewicht nicht wesentlich erhöhen. Doch die Optik des HY suggeriert Größe und Robustheit, die der Ami nicht bietet. Das kann irritieren. Muss es aber nicht. Denn der Type Ami will kein Transporter sein. Er will ein Statement sein.

Zwischen Heritage und Zeitgeist
Der Citroën HY war in seiner aktiven Zeit ein Gebrauchsfahrzeug. Er wurde genutzt, um Waren zu transportieren, um Handwerksbetriebe zu unterstützen, um Menschen zu bewegen. Dass er heute als Stilikone gilt, hat weniger mit seiner ursprünglichen Funktion zu tun als mit seiner unverwechselbaren Form. Die Wellblechkarosserie, die runden Scheinwerfer, die schlichte Front. All das wirkt heute retro, war damals aber schlicht funktional.
Der Type Ami überträgt diese Formensprache auf ein Fahrzeug, das eigentlich für eine andere Zeit und eine andere Nutzung entwickelt wurde. Das ist ein spannender Ansatz. Es ist aber auch ein Ansatz, der Fragen aufwirft. Denn ein Elektrofahrzeug, das mit dem Design eines Verbrenners aus den 1940er Jahren auftritt, sendet ein ambivalentes Signal. Einerseits zeigt es, dass Elektromobilität nicht zwangsläufig futuristisch aussehen muss. Andererseits könnte es den Eindruck erwecken, als wolle man die Vergangenheit verklären, statt sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen.
Titus Dittmann hat für sich eine persönliche Antwort auf diese Fragen gefunden. Sein Type Ami ist kein Massenprodukt. Es ist ein Einzelstück, das seine eigene Geschichte erzählt. Die Verbindung zwischen seinem ersten HY und dem neuen Type Ami ist biografisch, nicht marketinggetrieben. Das unterscheidet ihn von vielen anderen Retro-Umbauten, die vor allem als Verkaufsargument dienen.

Ein Fahrzeug als Brücke
Der Type Ami Titus Edition ist mehr als ein umgebauter Ami. Er ist eine Brücke zwischen den Anfängen der deutschen Skateboard-Kultur und einer neuen Form urbaner Elektromobilität. Dittmann hat mit seinem Unternehmen TITUS die Skateboard-Szene in Deutschland geprägt. Der HY war dabei sein treuer Begleiter. Nun fährt er einen kleinen elektrischen Bruder dieses Fahrzeugs. Das hat etwas Konsequentes. Es zeigt, dass Mobilität nicht nur eine technische Frage ist, sondern auch eine emotionale.
Ob der Type Ami über den Status eines Liebhaberobjekts hinaus Bedeutung erlangen wird, bleibt abzuwarten. Der Ami selbst ist ein Nischenfahrzeug. Mit dem Retrofit-Kit wird er noch spezieller. Für Stadtbewohner, die ein kompaktes Elektrofahrzeug suchen und dabei Wert auf Individualität legen, könnte er interessant sein. Für alle anderen bleibt er ein Kuriosum. Und genau das macht ihn vielleicht so sympathisch.
Fotos: Stellantis Germany GmbH
Was ist der Citroën Type Ami?
Caselani rüstet den Citroën Ami mit einem Retrofit-Kit aus. Das Kit verleiht dem kleinen Elektrofahrzeug die Optik des historischen Citroën HY. Technisch bleibt der Ami unverändert. Der Umbau erfolgt über Fiberglas-Elemente. Sie lassen sich auf neue und gebrauchte Ami-Modelle montieren.
Wer ist Titus Dittmann?
Titus Dittmann gilt als Skateboard-Pionier. Er gründete das Unternehmen TITUS. Ein Citroën HY aus dem Jahr 1978 half ihm beim Start. Dittmann arbeitet heute als Markenbotschafter für Citroën. Sein Type Ami ist eine persönliche Hommage an seinen alten HY.
Was macht den Citroën HY so besonders?
Citroën baute den HY von 1947 bis 1981. Seine Wellblechkarosserie und die runden Scheinwerfer machen ihn unverwechselbar. Er diente Handwerkern, Händlern und mobilen Unternehmern. Heute gilt er als Stilikone. Damals war er vor allem ein praktisches Nutzfahrzeug.
Wie unterscheidet sich der Type Ami vom normalen Ami?
Optisch deutlich. Der Type Ami trägt die Züge des HY. Dazu gehören Wellblechoptik, Rundscheinwerfer und weitere Retro-Details. Der Antrieb bleibt gleich. Der Ami fährt vollelektrisch. Er erreicht über 70 Kilometer Reichweite nach WMTC. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 45 km/h.
Wer baut den Type Ami um?
Caselani aus Norditalien entwickelt den Retrofit-Kit. Das Unternehmen ist auf Karosserieumbauten spezialisiert. Die Teile bestehen aus Fiberglas. Sie werden auf den Ami montiert. Citroën Deutschland unterstützte das Projekt von Titus Dittmann. Sein Fahrzeug ist jedoch ein individuelles Einzelstück.
Kann jeder einen Type Ami kaufen?
Caselani bietet den Umbau für neue und bestehende Ami-Modelle an. Ob und zu welchem Preis der Kit in Deutschland erhältlich ist, hängt vom Anbieter ab. Dittmanns Type Ami Titus Edition ist ein Unikat. Es trägt eine rot-beige Lackierung. Titus-Schriftzüge an der B-Säule und angepasste Sitzbezüge machen es unverwechselbar.
Ist der Type Ami ein Serienfahrzeug von Citroën?
Nein. Citroën selbst baut den Type Ami nicht in Serie. Der Umbau kommt von Caselani. Citroën Deutschland hat das Projekt mit Dittmann begleitet. Der Type Ami ist also ein umgebauter Ami. Er ist kein eigenständiges Modell ab Werk.
Für wen eignet sich der Ami als Basis?
Der Ami ist ein Stadtfahrzeug. Er ist kompakt, langsam und vollelektrisch. Für kurze Strecken reicht die Reichweite. Für lange Fahrten ist er nicht gedacht. Mit der Führerscheinklasse AM darf man ihn schon ab 15 Jahren fahren. Wer Platz, Tempo und Reichweite braucht, wird mit dem Ami nicht glücklich.
Was kostet ein solcher Umbau?
Dazu nennt der vorliegende Text keine konkreten Zahlen. Caselani verkauft den Kit. Hinzu kommen der Ami selbst und die Montage. Wer Interesse hat, muss sich an den Anbieter wenden. Ein Einzelstück wie Dittmanns Edition dürfte deutlich teurer sein als ein Serien-Ami.
Warum baut Titus Dittmann ausgerechnet einen Ami um?
Der HY begleitete ihn ein Leben lang. Mit ihm begann seine unternehmerische Reise. Der Ami ist klein und elektrisch. Für Stadtfahrten passt er. Dittmann wollte einen Baby-HY. Kein Museumsstück. Ein Fahrzeug für den Alltag. Die Verbindung aus Erinnerung und Elektromobilität ergibt für ihn Sinn.
Wie ist der Retro-Ansatz kritisch zu sehen?
Ein Elektroauto im Design eines Verbrenners aus den 1940er Jahren polarisiert. Der Ami suggeriert durch die HY-Optik Größe und Robustheit. Tatsächlich bleibt er ein kleiner Stadtflitzer. Das kann irritieren. Wer Elektromobilität futuristisch erwartet, wird hier nicht bedient. Wer Retro mag, findet ein ungewöhnliches Fahrzeug. Technisch ändert der Umbau nichts.
