Defizite bei Kindern im Straßenverkehr alarmieren Pädagogen
Eine aktuelle Online-Umfrage der ADAC Stiftung zeichnet ein besorgniserregendes Bild vom Verkehrsverhalten der jüngsten Generation. Viele Lehrer berichten demnach über deutliche Mängel, wenn es um die sichere Teilnahme am Straßenverkehr geht. Jedes zweite Kind sei den Ergebnissen zufolge nicht ausreichend aufmerksam, mehr als ein Drittel reagiere in kritischen Situationen fehlerhaft. Diese Einschätzung aus der Praxis bestätigt, wovor Fachleute seit Jahren warnen: Die Verkehrskompetenz vieler Mädchen und Jungen reicht nicht aus, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und angemessen zu handeln.
Deutsche Verkehrswacht unterstützt Forderung nach mehr Unterrichtseinheiten
Die Lehrkräfte wünschen sich daher eine deutliche Aufstockung der Stunden, die für Mobilitätsbildung zur Verfügung stehen. Genau an diesem Punkt macht sich die Deutsche Verkehrswacht (DVW) stark für Veränderungen. Präsidentin Kirsten Lühmann betont, dass die wachsenden motorischen Schwächen der Kinder mit den bestehenden Angeboten nicht aufgefangen werden können. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine sichere Verkehrsteilnahme – etwa durch mehr Verkehr, komplexere Kreuzungssituationen oder ablenkende Einflüsse. Die außerschulischen Projekte der Verkehrswacht allein reichten nicht aus, so Lühmann. Gefordert wird ein durchgängiges, verpflichtendes Konzept in den Schulen, bei dem auch Eltern wieder stärker eingebunden werden müssen.
Frühe Ansätze, aber große Lücken in der Sekundarstufe
Das derzeitige Programm der DVW beginnt bereits in Kindertagesstätten und zieht sich über die Grundschule bis zur klassischen Radfahrausbildung in der dritten und vierten Klasse. Doch genau danach klafft eine Versorgungslücke. In den weiterführenden Schulen passiert erfahrungsgemäß wenig bis gar nichts mehr im Bereich der Mobilitätserziehung. Die Verkehrswacht fordert deshalb seit einigen Jahren verbindliche Radfahrtrainings auch für ältere Schüler. Diese Forderung wird durch die Umfrageergebnisse gestützt, denn auch viele Lehrer sehen hier dringenden Handlungsbedarf. Angesichts der nach wie vor hohen Unfallzahlen in der Altersgruppe der Zehn- bis Fünfzehnjährigen erscheint diese Position nur folgerichtig.
Ressourcenmangel als zentrales Hindernis
Kirsten Lühmann macht jedoch kein Geheimnis daraus, dass die Umsetzung scheitert – nicht am fehlenden Willen oder an ungeeigneten Materialien. Die Verkehrswacht und ihr Verlag VMS stellen durchaus umfangreiche Lehrmittel bereit. Das Problem liege vielmehr in den Rahmenbedingungen: Schulen hätten weder ausreichend Zeit noch genügend Personal, um die Mobilitätsbildung angemessen zu integrieren. Fast die Hälfte der befragten Lehrer wünsche sich daher eine stärkere Einbeziehung außerschulischer Partner. Genau hier sieht die DVW ihren Auftrag, wenngleich sie klar feststellt, dass allein ihr Engagement das strukturelle Problem nicht lösen kann.
Jahresthema 2026: Schulwegsicherheit in den Fokus rücken
Um die bestehenden Aktivitäten sichtbarer zu machen und die Diskussion neu zu entfachen, hat die Deutsche Verkehrswacht das Jahr 2026 unter das Motto „Sicher zur Schule“ gestellt. Zahlreiche Ortsvereine sind bereits seit Langem erfolgreich im Bereich der Schulwegsicherheit tätig. Sie unterstützen Eltern und Lehrkräfte bei der Verkehrserziehung oder vermitteln Kindern die Grundlagen einer eigenständigen und sicheren Mobilität. Mit dem Jahresthema sollen diese Projekte gebündelt und stärker in die Öffentlichkeit getragen werden. Ob dies jedoch ausreicht, um die strukturellen Defizite im Schulsystem zu beheben, bleibt fraglich. Solange die Mobilitätsbildung nicht denselben Stellenwert erhält wie etwa mathematische oder sprachliche Kompetenzen, dürfte sich an der angespannten Lage kaum etwas ändern.
Quelle: Deutsche Verkehrswacht e.V.
Warum bemängeln Lehrkräfte die Verkehrskompetenz von Kindern?
Aus einer Umfrage der ADAC Stiftung geht hervor, dass Pädagogen häufig beobachten, wie Kinder im Straßenverkehr unaufmerksam sind oder in kritischen Momenten falsch reagieren. Jedes zweite Kind gelte demnach als zu unkonzentriert, mehr als ein Drittel handle fehlerhaft. Diese Einschätzung deckt sich mit den Erfahrungen der Deutschen Verkehrswacht, die seit Jahren auf motorische Defizite und steigende Anforderungen hinweist.
Was fordert die Deutsche Verkehrswacht konkret?
Der Verband setzt sich für ein verpflichtendes Radfahrtraining auch in weiterführenden Schulen ein. Zudem wird ein lückenloses Angebot in der schulischen Mobilitätserziehung gefordert – von der Kita bis zur Sekundarstufe. Eltern sollen stärker eingebunden werden, und außerschulische Partner wie die Verkehrswacht selbst müssten systematischer mitwirken.
Wo liegen die größten Hindernisse bei der Umsetzung?
Laut DVW-Präsidentin Kirsten Lühmann scheitert es nicht an Materialien oder fehlender Einsicht. Die eigentlichen Probleme sind knappe Zeitressourcen und Personalmangel an den Schulen. Viele Lehrer wünschten sich zwar mehr Mobilitätsbildung, doch im Schulalltag fehle der Raum dafür. Die Verkehrswacht könne hier unterstützen, aber nicht die Kernaufgaben der Schulen übernehmen.
Was passiert bisher in der Verkehrserziehung?
Bereits in Kitas setzen erste Programme an, in der Grundschule folgt die Radfahrausbildung in der dritten und vierten Klasse. Danach – in den weiterführenden Schulen – entsteht jedoch eine große Lücke. Genau hier setzt die Kritik an: Ohne regelmäßige Auffrischung und praxisnahes Training verfestigen sich Unsicherheiten, was sich auch in den Unfallzahlen der Altersgruppe widerspiegelt.
Warum wählt die DVW das Jahresthema „Sicher zur Schule“ für 2026?
Ziel ist es, die vielfältigen lokalen Projekte zur Schulwegsicherheit sichtbarer zu machen und die Mobilitätserziehung wieder stärker in den Fokus zu rücken. Viele Ortsvereine engagieren sich bereits erfolgreich, etwa durch Elternabende, Schulwegpläne oder praktische Übungen. Das Jahresthema soll diese Arbeit bündeln und bekannter machen, ohne dass allein dadurch die strukturellen Probleme gelöst wären.
Reichen die außerschulischen Angebote der Verkehrswacht aus?
Nein, das räumt die Präsidentin selbst ein. Die wachsenden motorischen Defizite und die zunehmende Komplexität des Straßenverkehrs ließen sich mit punktuellen Aktionen nicht abfedern. Nötig wäre ein verpflichtender, kontinuierlicher Verkehrsunterricht in den Schulen, ergänzt durch externe Partner. Nur so könne nachhaltig mehr Sicherheit erreicht werden.
