Auf der Japan Mobility Show 2025 präsentierte Mazda mit dem Vision X-Compact eine Vision, die über reine Fortbewegung hinausgeht. Die zentrale Frage des Konzepts lautet: Was wäre, wenn die Beziehung zu einem Auto der zu einem vertrauten Freund gleichen würde? Dieser Gedanke, vorangetrieben von einer neuen Generation von Designern und Ingenieuren, skizziert eine Zukunft, in der Fahrzeuge zu einfühlsamen Partnern werden.

Die Vision einer neuen Generation
Im Mittelpunkt dieser Idee steht der Innenraumdesigner Kaisei Takahashi. Als digital Native bringt er eine frische Perspektive in das Unternehmen. Für ihn drückt das Vision X-Compact ein modernes Verständnis von „Coolness“ für Mazda aus. Es verbindet die elegante Dynamik der KODO-Designsprache mit einer unwiderstehlichen Präsenz, die als „solid move“ bezeichnet wird. Gleichzeitig soll das kompakte Fahrzeug eine unmittelbare Nähe und Zugänglichkeit vermitteln.
Der Innenraum ist unter dem Leitmotiv „immersive unity“ gestaltet. Die Karosseriefarbe zieht sich dabei in den Innenraum, wodurch eine nahtlose Verbindung zwischen innen und außen entsteht. Diese „Inside-Out“-Philosophie soll das Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit fördern, ähnlich wie bei einer Fahrt mit dem Fahrrad. Displays wurden bewusst minimal und im direkten Blickfeld gehalten, um Ablenkung zu vermeiden und den Fokus auf die Fahrt und die Umgebung zu lenken. Das Lenkrad ist so kompakt, dass theoretisch ein Smartphone hineinpassen würde, was eine direkte und intuitive Interaktion symbolisieren soll.

Forschung für eine emotionale Bindung
Hinter dieser Gestaltung steht eine tiefgreifende humanwissenschaftliche Forschung bei Mazda. Ein Team um Mariko Shimizu und Yosuke Furuya erforscht seit über 30 Jahren, wie Menschen mit Produkten emotional interagieren. Ihr Ziel ist es, nicht nur von A nach B zu gelangen, sondern das Unterwegssein selbst zu bereichern und unerwartete, beglückende Entdeckungen zu ermöglichen.
Furuya betont, dass eine freundschaftliche Beziehung auf zwei Arten von Vertrauen basiert: kognitivem und emotionalem Vertrauen. Kognitives Vertrauen entsteht, wenn das Auto in stressigen Fahrsituationen zuverlässig unterstützt. Emotionales Vertrauen wächst, wenn das Fahrzeug einfühlsam auf die Stimmung und Bedürfnisse des Fahrers eingeht. Mazda forscht daran, wie sich beide Formen durch gezielte Interaktionen zwischen Mensch und Maschine aufbauen lassen.

Interface-Design, das berührt
Diese Forschung fließt konkret in die Entwicklung von Schnittstellen ein. Ryotaro Yoshida aus der Serienentwicklung beschäftigt sich mit der haptischen Rückmeldung von Schaltern. Ein Projekt zielte darauf ab, einen Schalter zu entwickeln, der ein Gefühl von „angenehmer Wachsamkeit“ vermittelt. Mithilfe von Gehirnaktivitätsmessungen (fNIRS) wurden die idealen Parameter für Druckpunkt und Rückstellkraft ermittelt, um genau diesen emotionalen Zustand auszulösen. Diese Erkenntnisse finden nun sukzessive Einzug in Serie, beginnend mit den Schaltern des neuen Mazda CX-5.
Es geht nicht nur um Funktionalität, sondern um die Schaffung einer vertrauten Intimität. Die physische Interaktion soll Freude bereiten und eine stille Kommunikation ermöglichen. Yoshida träumt davon, dass das Auto dem Fahrer sogar unbekannte Funktionen vorschlagen könnte, um so proaktiv die Bindung zu vertiefen.

Vom Transportmittel zum Katalysator für persönliches Wachstum
Die langfristige Vision des Vision X-Compact ist ambitioniert. Das Auto soll mehr sein als ein Werkzeug; es soll ein Katalysator für Mut und persönliche Entwicklung sein. Mariko Shimizu verweist auf das Konzept der „foundational resilience“ – der inneren Widerstandskraft, die durch positive Erfahrungen gestärkt wird. Ein Fahrzeug, das Sicherheit gibt und stets ein verlässlicher Begleiter ist, kann Menschen ermutigen, neue Wege zu gehen und Herausforderungen anzunehmen.
Ingenieur Seiya Fujii ergänzt, dass die Entwicklung auch die langfristige Veränderung des Menschen im Blick behalten muss. Die Idee, dass das Interagieren mit dem Auto den Fahrer zu einem besseren Menschen machen und seinen Horizont erweitern kann, ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts. Das Fahrzeug würde so zum Spiegel und Begleiter der eigenen Entwicklung.

Eine Brücke in die Zukunft
Für Designer Takahashi wäre der ultimative Ausdruck dieser Bindung, wenn die „Persönlichkeit“ eines Autos über seine physische Existenz hinaus erhalten bliebe. Wenn Vorlieben, Gewohnheiten und gemeinsame Erinnerungen in ein neues Fahrzeug übertragen werden könnten, würde die Beziehung zu einem lebenslangen Begleiter reifen.
Der Mazda Vision X-Compact ist damit mehr als ein reines Showcar. Er ist eine konkrete Denkrichtung, wie sich die Beziehung zwischen Mensch und Automobil fundamental verändern könnte. Durch die Synthese von empathischem Design, humanwissenschaftlicher Forschung und fortschrittlicher Sensorik entwirft Mazda das Bild eines Partners, der Sicherheit, Vertrauen und die Freude am Entdecken in den Mittelpunkt der Mobilität von morgen stellt.

Fotos: Mazda Motor Corporation
