Wer sich demnächst ein Auto kaufen will und dabei einen Sprit sparenden Wagen im Auge hat, sollte sich nicht von den wertenden Angaben im neu eingeführten Energie-Effizienzlabel täuschen lassen. Der ACE Auto Club Europahält das von Dezember an gültige, offizielle Bewertungssystem von Pkw nach Energieeffizienzklassen jedenfalls für unvollkommen und zweifelhaft. „Es ist besser, wenn Autokäufer sich nicht nur am grünen Balken in der Farbskala orientieren, sondern auch genau danach schauen, wie hoch Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß tatsächlich sind“, sagte Gert Schleichert, Leiter der Abteilung Auto & Verkehr beim ACE, am Freitag in Stuttgart.


Spätestens vom 1. Dezember an müssen Neuwagenhändler in der Lage sein, ihren Kunden sämtliche Informationen zu Verbrauch und Effizienz der angebotenen Fahrzeuge an die Hand zu geben, sagte der ACE-Autoexperte. Bislang hat es laut ACE ausgereicht, wenn Händler allgemeine Angaben zu Spritverbrauch und CO2-Ausstoß machen konnten; neu vorgeschrieben sei nun aber eine qualitative Bewertung und eine Einordnung der Fahrzeuge in bestimmte Effizienzklassen. Das Manko hierbei besteht aus Sicht des ACE nun darin, dass ein flüchtiger erster Blick auf die von grün (gut) bis rot (schlecht) geordnete Farbskala dem Kaufinteressenten bestenfalls eine vage Orientierung bietet. Denn bei der auf dem Label in Stufen bewerteten Energieeffizienz handelt es sich nach Darstellung des ACE  jeweils nur um relative Größen.

Folglich kann es sich selbst bei einer mit grün ausgezeichneten  guten Effizienzklasse um einen Kraftstoff-Säufer handeln, warnt der ACE. Bei der Effizienzauszeichnung spielt nämlich der tatsächliche Verbrauch nicht wirklich eine Rolle. Vielmehr wird der CO2-Ausstoß des Fahrzeugs in Bezug zum Fahrzeuggewicht gesetzt. Diese erlaubt zwar den Vergleich zwischen ähnlichen Fahrzeugen, es kann aber auch dazu führen, dass schwere Autos mit hohem Kraftstoffverbrauch eine grüne Auszeichnung erhalten, während ein Kleinwagen bei der Bewertung unter Umständen in die schlechte rote Effizienzklasse rutscht. Deshalb rät der ACE Verbrauchern, sie sollten mit Blick auf die Effizienzklassen auf dem Label immer daran denken, dass hier nicht der absolute Verbrauch bewertet wird, sondern lediglich die Effizienz im Vergleich mit Fahrzeugen der selben Kategorie, etwa Autos der Sorte SUV. Wer hingegen nach einem Fahrzeug mit tatsächlich reduzierten Spritverbrauch sucht, der sollte sich laut ACE besser auf die absoluten Zahlen und weniger auf die Farbskalen auf den Labels konzentrieren. Das gelte auch für die Höhe der Kfz-Steuer, die sich nach CO2-Ausstoß und Hubraum bemisst. Auch dazu informiert das neue Label ausführlich, allerdings finden sich diese Informationen eher im Kleingedruckten.
Ergänzend müssen Neuwagenhändler ihren Kunden markenübergreifende Informationen zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen zur Verfügung stellen. In dem Ratgeber sind Tipps enthalten, wie mittels eines intelligenten Fahrstils mehr Kraftstoff gespart werden kann.

Alle tragen Verantwortung für Klimaschutz
Verantwortung für wirksamen Klimaschutz tragen nach Überzeugung des ACE alle Beteiligten – die Politik und die Autobesitzer ebenso wie die Autohersteller. Die Premiumstrategie im deutschen Fahrzeugbau wird nach Einschätzung des Clubs im globalen Wettbewerb nur dann weiter erfolgreich sein können, wenn auch hier die ökologische Modernisierung energischer als bisher voran getrieben wird. Die Potenziale für mehr Energieeffizienz im Automobilbau und Straßenverkehr sind längst noch nicht vollkommen ausgeschöpft. Beispielsweise wird heute durchschnittlich eine von vier Tankfüllungen durch den Rollwiderstand von Reifen verbraucht. Das muss nicht sein. Die Politik muss auch hier Grenzwerte setzen und die Industrie muss sie erfüllen. Das gilt auch für Mindestanforderungen an die Kraftstoffeffizienz von Klimaanlagen. Obligatorische Gangwechselanzeigen im Display könnten darüber hinaus einen wirtschaftlich und ökologisch optimalen Fahrstil fördern. Das sind Beispiele, hinzukommen müssen Entwicklungen auf dem Gebiet moderner Motoren- und Antriebstechnologien. Alle Register im Bereich Forschung und Entwicklung sollten jetzt gezogen werden.

Aus Sicht der Autokäufer und Autofahrer gibt es ein berechtigtes und wachsendes Interesse an solchen Wagen, die in punkto Klimafreundlichkeit „Spitze fahren“. Denn Fahrzeuge mit vergleichsweise hohem Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß sind in der Unterhaltung und bei Steuern und Versicherungsprämien immer deutlich teurer. Schlussendlich steht die Frage, wer sich was leisten kann und will. Automobilität muss für Otto Normalverbraucher erschwinglich bleiben. Autokäufer haben es gleichwohl selbst mit in der Hand, was ihnen in der Abwägung von Auto und Umwelt wie viel wert ist.

Foto: ACE

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