Ein neuer Ansatz für digitale Fahrerlebnisse

Die Hyundai Motor Group hat mit Pleos Connect ein Infotainmentsystem vorgestellt, das weit über herkömmliche Lösungen hinausgeht. Der Hersteller verspricht sich davon eine grundlegende Veränderung des Mobilitätserlebnisses. Das System gilt als erster sichtbarer Schritt des Konzerns hin zu einer softwareorientierten Ausrichtung. Im Kern basiert Pleos Connect auf drei Säulen: einfache Bedienung, Sicherheit und Offenheit gegenüber externen Diensten. Die Benutzeroberfläche erinnert bewusst an moderne Smartphones, während eine KI namens Gleo viele Abläufe automatisieren soll. Updates werden künftig komplett drahtlos über das Internet eingespielt. Bis 2030 sollen rund 20 Millionen Fahrzeuge der Marken Hyundai, Kia und Genesis mit dem System ausgestattet sein – ein klares Signal für den hohen Stellenwert des Projekts.

Intuitive Bedienung mit Blick auf die Straße

Bei der Gestaltung des digitalen Cockpits haben die Entwickler großen Wert auf eine möglichst selbsterklärende Nutzung gelegt. Eine Mischung aus Touchdisplay und echten Knöpfen soll die Bedienung auch während der Fahrt sicher machen. Die Benutzeroberfläche ist das Ergebnis umfangreicher Beobachtungen des Fahrerverhaltens. Dafür betreibt die Gruppe eigene UX-Studios in Seoul, Irvine, Frankfurt und Shanghai. Zwei Hauptbildschirme prägen das Erscheinungsbild: Ein breiter zentraler Bildschirm teilt sich in drei Bereiche auf. Auf einem Segment werden wichtige Fahrdaten wie Tempo oder Warnmeldungen angezeigt, ergänzt durch dreidimensionale Darstellungen von Objekten und Personen in der Umgebung. Ein weiterer Bereich dient Navigation, Medienwiedergabe und Apps von Drittanbietern. Dort kann zwischen Vollbildmodus für ablenkungsfreie Inhalte und geteiltem Bildschirm für mehrere Anwendungen gewechselt werden. Eine untere Leiste erlaubt schnellen Zugriff auf zuletzt genutzte oder fest angeheftete Programme. Ein schlankes Display direkt vor dem Fahrer zeigt Geschwindigkeit, Medientitel oder detaillierte Routenführung – immer im direkten Blickfeld, damit der Fahrer die Straße nicht aus den Augen verliert. Physische Tasten am Lenkrad und unterhalb des großen Bildschirms erlauben den Zugriff auf wichtige Funktionen ohne Touchscreen. Eine Dreifingergeste hilft dabei, App-Fenster zu verschieben oder zu schließen – ein Detail, das die Sicherheit erhöhen soll.

Navigation mit weniger Komplexität

Das Navigationssystem hat Hyundai einer grundlegenden Überarbeitung unterzogen. Ziel war es, die Bedienung komfortabler und übersichtlicher zu gestalten. Anhand großer Datenmengen aus dem bisherigen Nutzerverhalten haben die Ingenieure das Bildschirmlayout und die Menüstruktur neu geordnet. Komplexe Grafiken wichen einfachen Symbolen, um die Lesbarkeit auf einen Blick zu verbessern. Der Navigationsbildschirm ist nicht mehr starr vorgegeben. Fahrer können ihn selbst konfigurieren, etwa um gleichzeitig die Karte und eine andere Anwendung auf dem großen Display zu nutzen. Wichtige Informationen wie die Gesamtroute oder die voraussichtliche Ankunftszeit erscheinen in schwebenden Fenstern. Die Routenführung selbst greift auf Echtzeit-Verkehrsdaten zu, die von anderen Fahrzeugen erfasst werden. Eine Live-Onlinekarte aktualisiert die Straßeninformationen dauerhaft und leitet den Fahrer stets auf die vermeintlich optimale Strecke. Der Hersteller verspricht sich davon nicht nur Zeitgewinne, sondern auch eine spürbare Entlastung des Fahrers.

Gleo KI: Ein Sprachassistent mit Kontextverständnis

Das Herzstück von Pleos Connect ist der Sprachassistent Gleo. Er basiert auf einem großen Sprachmodell und soll mehr können als einfache Sprachbefehle. Gleo nutzt den Gesprächsverlauf und den jeweiligen Fahrtkontext, um abstrakte Anweisungen wie „Navigiere dorthin“ oder „Such ein Restaurant in der Nähe“ korrekt zu deuten. Mehrere Aufträge innerhalb einer einzigen Äußerung erkennt und bearbeitet die KI ebenso wie Fragen zu Nachrichten, Wetter oder Sportergebnissen – dann greift sie auf eine Websuche zurück. Zudem ist Gleo tief in die Fahrzeugsteuerung integriert. Nutzer können die Klimaanlage regeln, die Navigation bedienen oder sogar im Fahrzeughandbuch blättern, indem sie einfach natürlich sprechen. Das System erkennt, von welchem Sitzplatz aus gesprochen wird. Ein Befehl wie „Schalte meine Sitzheizung ein“ wird nur auf dem entsprechenden Platz ausgeführt. Eine eigene Anwendung speichert die Gespräche mit Gleo als Text, sodass Nutzer sie später einsehen können. Langfristig plant Hyundai, den Assistenten mit vielen weiteren App-Diensten zu verknüpfen, sodass immer mehr Funktionen allein per Sprache steuerbar werden. Auch personalisierte Dienste, die auf die individuellen Eigenschaften des Fahrers zugeschnitten sind, befinden sich in Entwicklung.

Ein offener Marktplatz für Apps von Drittanbietern

Mit dem App Market öffnet Hyundai sein Infotainmentsystem für externe Entwickler. Ziel ist ein vernetztes Fahrerlebnis, das das mobile Leben der Nutzer widerspiegelt. Zu den ersten Partnern zählen unter anderem NAVER für Karten- und Autodienste. Inhaltsdienste wie YouTube oder Spotify sind direkt über das System abrufbar – ohne Umweg über ein gekoppeltes Smartphone. Geplant ist eine deutliche Erweiterung des Angebots durch Partnerschaften im Bereich Gaming, Unterhaltung und Fahrzeugmanagement. Die Plattform namens Pleos Playground stellt Entwicklern die nötigen Programmierschnittstellen und Werkzeuge zur Verfügung, um neue Dienste zu entwickeln und in den Markt zu bringen. Der Hersteller erhofft sich davon eine kreative Dynamik, die das Mobilitätserlebnis grundlegend neu gestalten könnte.

Der Weg zu softwaredefinierten und künstlich intelligenten Fahrzeugen

Pleos Connect ist mehr als nur ein neues Infotainmentsystem. Es markiert den ersten konkreten Schritt von Hyundai in Richtung einer Software Defined Vehicle-Architektur. Das bedeutet, dass künftig immer mehr Fahrzeugfunktionen nicht mehr fest verdrahtet, sondern über Software gesteuert und nachträglich verändert werden können. Langfristig will der Konzern über die rein softwaredefinierten Fahrzeuge hinausgehen. Das Ziel sind sogenannte Artificial Intelligence Defined Vehicles, bei denen künstliche Intelligenz die Interaktion zwischen Mensch und Auto prägt. Der persönliche KI-Assistent in Pleos Connect ist dafür ein erster Vorbote. Ob die hohen Erwartungen erfüllt werden, wird sich zeigen, sobald die ersten Serienmodelle mit dem System auf dem Markt sind. Die technischen Grundlagen für ein deutlich anderes Fahrerlebnis sind gelegt.

Foto: Hyundai Motor Deutschland GmbH

Was ist Pleos Connect von Hyundai?

Pleos Connect ist ein neu entwickeltes Infotainmentsystem der Hyundai Motor Group, das auf eine smartphoneähnliche Bedienung setzt. Es kombiniert eine benutzerfreundliche Oberfläche mit einem KI-Sprachassistenten namens Gleo und einer offenen Plattform für Drittanbieter-Apps.

Welche Rolle spielt der KI-Assistent Gleo im System?

Gleo ist ein Sprachassistent auf Basis eines großen Sprachmodells, der kontextabhängige Befehle versteht, mehrere Aufgaben gleichzeitig bearbeiten kann und auch Websuchen durchführt. Er erkennt zudem, von welchem Sitzplatz aus gesprochen wird, und kann gezielt Funktionen wie die Sitzheizung nur dort steuern.

Wie wird die Sicherheit während der Fahrt gewährleistet?

Das Konzept setzt auf eine Mischung aus Touchbedienung und physischen Tasten am Lenkrad sowie unterhalb des Hauptdisplays. Wichtige Informationen erscheinen auf einem schlanken Display direkt im Blickfeld des Fahrers. Eine Dreifingergeste hilzt beim schnellen Schließen oder Verschieben von App-Fenstern, ohne den Fahrer abzulenken.

Kann man eigene Apps auf Pleos Connect installieren?

Ja, über den integrierten App Market können Nutzer Dienste von Drittanbietern direkt auf dem System nutzen, ohne ein Smartphone koppeln zu müssen. Zu den ersten Partnern gehören unter anderem NAVER, YouTube und Spotify. Entwickler können über die Plattform Pleos Playground eigene Anwendungen bereitstellen.

Welche Fahrzeuge werden mit Pleos Connect ausgestattet?

Die Hyundai Motor Group plant, bis 2030 rund 20 Millionen Fahrzeuge der Marken Hyundai, Kia und Genesis mit dem System auszurüsten. Es handelt sich um die Serienversion eines Konzepts, das erstmals 2025 vorgestellt wurde.

Wie erfolgen Updates und Verbesserungen?

Das System empfängt regelmäßige Over-the-Air-Updates, sodass neue Funktionen und Leistungsverbesserungen drahtlos eingespielt werden können – ohne Werkstattbesuch.

Was ist das langfristige Ziel hinter Pleos Connect?

Das System gilt als erster Schritt hin zu einer softwaredefinierten Fahrzeugarchitektur. Langfristig strebt Hyundai in Richtung künstlich intelligenter Fahrzeuge, bei denen die KI die Interaktion zwischen Mensch und Auto zunehmend prägt.

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